Der Schreib-Flow – wenn die Worte leicht von der Hand gehen
Wenn wir uns mit der Weisheit alter Philosophen befassen, stoßen wir auch auf Heraklit und seine Feststellung: „Alles fließt.“ Und damit ist nichts Geringeres gemeint als das Leben selbst: Wir sind wie Flüsse, ständig in Bewegung durch die Stromlinien der Zeit. Und wenn das Leben so fließt, dann können wir darauf vertrauen, getragen zu werden, und alles geht leicht von der Hand – ein Flow-Zustand.
Heraklits altes Prinzip hat sich bis heute erhalten. Es transportiert dabei ein sprechendes Bild: Wie der Fluss bewegen wir uns auf ein Ziel zu, im eigenen Tempo, auf dem eigenen Weg, ohne Zwang oder Druck. Die Bewegung läuft wie von selbst, wir spüren weder Zeit noch Raum und sind selbst im Fluss. Was diese so natürlich wirkende Metapher darstellen will: Im Flow gelingt uns alles, und das ohne Mühe. Es ist der Zustand, den wir oft bei anderen beneiden: Alles geht leicht von der Hand, wir bleiben fokussiert und verspüren das Vergehen der Zeit gar nicht mehr. Oft kommt der Flow mit dem Tun selbst, und dann gelingt sogar der über Jahre aufgeschobene Roman ohne große Mühe.
Die Flow-Theorie
Was wie ein utopischer, wünschenswerter Zustand klingt, hat auch einen eigenen Namen: Man spricht vom „autotelischen Zustand“, der einen völligen Selbstzweck beschreibt. Es geht nicht darum, ein Ziel zu erreichen und einen Zweck zu erfüllen, sondern nur um den Zustand selbst – den Weg zum Ziel. Die Freude und Befriedigung tritt nicht erst mit dem Erreichen gewisser Umstände ein, sondern ist schon durch das Sein selbst gegeben. Für das Schreiben bedeutet das: Es spielt keine Rolle für uns, ob und wie wir das Ziel erreichen und den Roman abschließen, denn der Schaffensprozess selbst bereitet uns schon große Freude. Frei von Druck und Anforderungen erfreuen wir uns einfach am Tun selbst.
In eine greifbare, wissenschaftliche Theorie gegossen wurde der Flow-Zustand vom ungarisch-US-amerikanischen Psychologen Mihály Csíkszentmihályi. Er beobachtete den Flow-Zustand an verschiedensten Menschen, von Sportlern über Wissenschaftler bis zu Ärzten. Dabei fielen ihm einige Merkmale ins Auge, die er als definierend für den Flow festhielt: Die Menschen begegnen ihren Aufgaben spielerisch und mit ungezwungener Leichtigkeit, und sie können außergewöhnliche lange Phasen der Konzentration aufrecht erhalten, ohne sich dafür besonders anstrengen zu müssen. Sie verschmelzen regelrecht mit der Aufgabe und vergessen Außenumstände wie Zeit und Raum; sogar körperliche Bedürfnisse wie Hunger werden ausgeblendet. Der Flow-Zustand ist entspannend, die Menschen verspüren Glücksgefühle und Selbstbewusstsein, was sich auch positiv auf Dinge wie den Puls auswirkt.
Schreiben im Flow-Zustand
Natürlich ist der Flow-Zustand auch für Künstler und besonders Schriftsteller sehr erstrebenswert. Schreiben ist ein zeitintensiver Prozess, für den langanhaltende Konzentration und eine mühelose Leichtigkeit natürlich ideal sind; nicht zuletzt spielen aber auch Selbstzweifel und Schreibblockaden oft eine hemmende Rolle im schriftstellerischen Tun. Um diesen Schranken entgegenzuwirken haben wir fünf Techniken zusammengetragen, die den Flow-Zustand begünstigen können. Können, denn erzwingen lässt sich im Flow-Zustand nichts. Im Zweifelsfall machen Sie es einfach wie Paulo Coelho und sind „wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“.
Meditation
Ruhe und Ausgeglichenheit können trainiert werden. Wenn Sie täglich meditieren, gewöhnen Sie Körper und Geist an den Zustand völliger Gelassenheit und erleichtern so den Weg vom Betriebs- in den Flow-Zustand.

Motivation
Ein Fluss fließt ohne bestimmten Grund und beabsichtige Richtung, sondern dorthin, wohin ihn das Gelände führt. Er hat kein bestimmtes Ziel oder Erwartungen, sondern er passt sich an das an, was vor ihm liegt. Er fließt, poetisch betrachtet, einfach nur aus der Lust am Fließen.
Widmen Sie sich einer Tätigkeit, an der Sie Spaß haben. Die Motivation für den Flow kommt von innen. Wenn Sie Erfolg durch äußere Faktoren haben – wie etwa durch Geld oder Anerkennung – dann ist das gut und schön, aber bringt nicht den wirklichen Flow-Zustand. Diesen erreichen Sie, indem Sie genügsam sind und der Spaß an der Sache Antrieb genug ist.
Konzentration
Der Flow-Zustand hat große Ähnlichkeiten zur Meditation, und er kann auch ebenso leicht gestört werden – vor allem durch äußere Komponenten. Schaffen Sie sich also ein ruhiges und ungestörtes Umfeld, um den Fluss des Schaffens einzuladen. Kein Handy, kein Multitasking, keine Unterbrechungen. Befassen Sie sich bewusst nur mit dieser einen Tätigkeit und widmen Sie die kommenden Stunden nur ihr.

Realisation
Laut Mihály Csíkszentmihályi erreichen wir den Flow-Zustand am leichtesten, wenn wir etwas tun, was unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten entspricht. Es ist also wichtig, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Eine Tätigkeit soll uns nicht unter-, aber auf keinen Fall auch überfordern. Zu hohe Ansprüche und ein damit einhergehendes Scheitern erzeugen Zwang und Druck, was dem Flow per Definition widerspricht. Die Arbeit sollte abwechslungsreich und möglichst unabhängig von externen Faktoren sein, auf jeden Fall aber bewältigbar. Und das führt direkt zum letzten Punkt.
Ambition
Realistische Ziele sind essenziell. Nun klingt das vielleicht ein wenig widersprüchlich: Hieß es nicht zuvor, der Weg ist das Ziel und der Flow unabhängig vom Erreichen eines Zieles?
Das stimmt zwar, doch Ziele sind dennoch notwendig, um überhaupt in Bewegung – in Flow – zu kommen. Flüsse fließen auf einen Endpunkt zu, ohne zu bestimmen oder zu wissen, wo dieser liegt. Doch ein solcher Punkt ist notwendig, um überhaupt in Bewegung zu kommen. Der Flow braucht ein Ziel, auf das er zuarbeiten kann, doch es ist für ihn nicht zwingend erforderlich, dieses Ziel auch zu erreichen. Formulieren Sie Ihr Ziel also ohne große Erwartungshaltungen oder Ansprüche an sich selbst und schenken Sie ihm nicht zu viel Aufmerksamkeit. Wenn Sie wirklich im Flow-Zustand angelangt sind, werden Sie an Ihr Ziel gar nicht mehr denken und nur die pure Freude am Schaffen verspüren.
Mit welchen Mitteln und Techniken versetzen Sie sich in einen Zustand der Inspiration und Ausdauer? Verraten Sie uns Ihre Geheimtipps in den Kommentaren!
Der vindobona-Verlag – selbst ein traditionsreiches Haus – ist auf der Suche nach jungen wie alten Talenten, um einzigartigen Geschichten einen Weg an die Öffentlichkeit zu geben. Wer viel erlebt, gesehen und erfahren hat, kann auch besondere Geschichten schreiben. Wir freuen uns darauf, Ihrem Werk eine Chance zu geben!




